Nature
Yordas Ankunft

Yorda:  Der Wintereinbruch hält Einzug in Atrahor. Schnee bedeckt die Landschaft aus zartem Eis, dem einzig zwei Löcher hinein gebohrt worden waren. Kräftig scheint die Sonne, doch jenes weiß vermag selbst jener runde Feuerball nicht zu vertreiben. Es war das Windkind, das den Weg vom Stadttor aus hinein gelaufen kam und selbst dort war ihr der ein oder andere Blick gefolgt. Ungewöhnlich war ihr Aussehen für manche Gegenden dieser Welt, doch war es etwas Vertrautes, das an diesem Dorf war, vergeudete Zeiten, Hoffnungen, die einst das Herz beseelten und doch wie eine Glasfigur zerbrachen, als ein ungestümer Jüngling danach griff um es gegen die Wand zu schleudern. Sie selbst konnte sich nur an wenige Gesichter in dieser Stadt erinnern. Gesichter, die in ihrer Brust den Hass schürten und wenngleich sie nichts an jenen Teil des Landes band, so war sie doch hier her zurück gekehrt. Sie hatte die Wüste hinter sich gelassen. Noctra, der, obgleich das Herz schon lange für ihn geschlagen hat, es nicht bekommen sollte mit all der Ehrlichkeit, die sie bereits einmal bereit war zu geben. Nein, nicht nur ein Mal. Drei Mal. Drei Mal hatte sie es vergeben und drei Mal waren kaum zu reparierende Risse hinterlassen worden. Sie war kalt wie ein Winterwind und jene Kühle stand wie ein offnes Buch in ihren eisblauen Augen geschrieben, die sich auf dem bekannten Platz umblicken. Wenig hat sich verändert. Wenig zum Guten, wenig zum Schlechten. Alleine die Tatsache, dass es hier ruhiger war, offenbarte, das andere Zeiten herein gebrochen waren. Das Kleid, welches den Leib bedeckt war von der langen Reise zerschlissen. Fäden haben sich gelöst und hängen mehr schlecht als recht hinab und auch die Haare der Weißhaarigen sind miteinander verknotet und man konnte tatsächlich wohl nur erahnen, welch unnatürliches Wesen unter der fast weißen Haut schlummerte. Warum letztendlich ihr Weg sie wieder hier her zurück geführt hat, war ihr allerdings selbst nicht klar. Es war ein innerer Drang. Unerklärlich, aber vorhanden "Ich bin wieder da..." haucht sie leise dem warmen Südwind gen, der für den Bruchteil einer Sekunde die vom Schweiß feuchte Haut berührt. Ein Seufzen bricht über die Kehle und wie früher so oft, nähert sich das Kind des Windes dem Brunnen um alten Zeiten zu gedenken.
Say Run: Viel hatte sich wirklich nicht verändert, auch wenn aus dem kleinen Dörfchen Atrahor mittlerweile eine Satdt geworden war. Doch was interessierte dies das Eisherz? Für ihn war diese Stadt leer, die letzten bedeutsamen Wesen in seinem Leben tummelten sich in der Gilde und nicht einmal da traf man sie regelmäßg an. Die Kinder waren in die Ferne gezogen, der Jüngste allein war noch hier, lebte aber eigenständig und kam nur noch selten zum väterlichen Orden. Was also war ihm geblieben? Ein zerfrorenes Herz, welches drei bittere Verluste erleiden musste, drei Erben, für die er nie mehr als Erzeuger war. Eine Gilde, welche den letzten Halm im Leben bot um sich nicht gänzlich dem ewigen Eis zu verschreiben. Eben jene Pflicht war es, die ihn heute morgen aus dem Hause geführt hatte, doch wie so oft rief kein Schüler nach ihm, niemand wollte sich bei diesem Temperaturen unterrichten lassen. So hatte sich das Eisherz vielleicht ein paar Stunden länger als notwendigen in den kühlen Räumen aufgehalten, bevor seine Schritte ihm zum Rathaus führen sollten. In einer mehr oder minder verzweifelten Hoffnung, dass eine weitere Aufgabe seinem Leben einen Sinn geben würde hatte er sich bei der Satdtwache gemeldet und war - angenommen worden. Doch ganz soll er sein Ziel nicht erreichen, denn als der Blonde auf den Stadtplatz tritt, welcher zu jener Zeit unbelebt war ( konnte man es den Bewohnern verübeln, dass sie bei der Hitze in ihren Häusern blieben), wurden die sandigen Augen mit der Hand beschattet und mehr einem Impuls folgend ließ er den Blick schweifen, streifte die wenigen Anwesenden und blieb .... an einer Gestalt länger hängen. Im Gleißenden Licht flimmerte die Gestatl mehr, als dass er wirkliche Umrisse erkennen konnte, das weiße Haar verschmolz mit dem Glimmen der Sonne .... ein zarter Frauenleib am Brunnen. "Das kann nicht sein..." kam es dem Eisigen geschockt über die Lippen, der Leib verkrampfte sich als habe er einen Schlag in den Magen erhalten. Die Gedanken kreisten wirr um jenen Tag als sie ihnen genommen wurde ... Das konnte nicht sein, er irrte sich, wurde alt, die Hitze spielte ihm einen Streich ... und doch konnte er seinen Blick nicht abwenden, konnte sich nicht der Wache zuwenden - blieb wie erstarrt inmitten des Platzes stehen und blickte zum Brunnen.
Yorda: Keine Täuschung, jedoch ist sie nicht mehr diejenige, die sie einst war. Zu viel Zeit war vergangen, zu viele Geschehnisse lagen dazwischen und ja, Gefühle wie Hass, Enttäuschung und Wut, herrschten im Bezug auf diese Stadt in ihr vor, wenn auch das Betreten des einstigen Dorfplatz eine gewisse Nostalgie in ihr hervor ruft und sich die rechte Hand in vertrauter Marnier auf die steinerne Umrandung des Brunnens legt. Die Hitze des Gesteins wird aufgesogen, ja brennt sich fast schon in die helle Haut hinein, bis sie beschließt die Hand wieder zurück zu ziehen. Was war nicht alles an diesem Ort geschehen? Einst war sie an dieser Stelle traurig gewesen, doch was dann geschah war vor ihrem geistigen Auge verschwommen. Aber Trauer war kein Grund sich derartig lange daran zu erinnern. Es ist einer jener Momente, die den Argwohn in ihr wecken. Wie konnte es sein, dass sie glaubte Teile ihrer Erinnerungen verloren zu haben, wenn da letztendlich nichts war. Wie konnte es sein, dass etwas sie hier band und Yorda selbst nicht annähernd eine Idee hatte, wie dies aussah. Es war zum Verrückt werden. Ebenso verrückt ist das amüsierte Grinsen auf dem Gesicht ob der eigenen Gedanken, als sie beginnt sich von dem Brunnen abzuwenden und in Richtung des Wohnviertels zu laufen. Sie wollte sehen, was aus ihrem Haus geworden war. Ob es noch stand, oder mittlerweile verkauft worden war. Innerlich hofft das Windkind, das letzteres der Fall sei und andererseits konnte sie sich nicht erklären, weshalb sich ein Teil von ihr davor fürchtete, zurück zu kehren in jenes Anwesen. Den Blick nach vorne gerichtet, geht dieser in einem Winkel von 45° an dem Mann vorbei, der einst mit ihr eine Prüfung in der Gilde ablegte, jener Gemeinschaft, der sie beide Treue geschworen hatten und die sie so schändlich verraten und einfach zurück gelassen hatte. Armes Windkind. Es wurde alleine gelassen.
Say Run: Gebannt lag der Blick auf jenem seltsamen Schauspiel, jener Verwirrung seines Geistes, die ihn nicht losließ. Rasend wie bei einem freien Fall glitten die Erinnerungen an jenen Tag zurück, als man im Auftrag der Gilde unter ihrer Führung in den Tunnel ging, dort harrte, den Rückzug bewachen sollte und angegriffen wurde. Say erinnerte sich an jedes kleines Detail, jede verdammte Verletzung hatte sich in seinen Leib gefresen, jeder Laut in seine Ohren gebrannt. Unterlegen und geschlagen hatte man den Tunnel zusammen mit Zorian verlassen, Yorda war zurück geblieben, hielt Noctra auf, damit sie hinaus konnten. Dann prallten die Kräfte aufeinander, die bis eben klaren Bilder verschwammen und man sah nur noch den eingestürzten Tunnel, das Windkind und der Peiniger darunter vergraben. Tot sollte sie sein, geopfert, damit die Gilde weiter an ihren Zielen festhalten konnte, führungslos, denn auch Adhira hatte sie kurz danach verlassen. Seitdem führte Lyn die Geschicke der Akademie, der einstigen Wächter, welche sich unter der Weißhaarigen zur Akademie geformt hatten. Sie konnte nicht zurück sein - nicht nach all den Jahren! Fest hingen die sandigen Augen an dem Leib, welcher sich nun auf ihn zu bewegte, zumindest aber grob in seine Richtung kam. Dann eine Wendung, sie schien von ihm weg zu gehen, ins Wohnviertel wohl ... Noch immer wollte der Wolf weder seinen Augen, noch dem Verstand trauen und so musste er sich auf jenes Organ verlassen, welches dem Tier in ihm schon immer dienlich war - seine Ohren. Er musste ihr einfach nachlaufen, noch ehe er den Gedanken gefasst hatte bewegte er sich schon, eilte ihr nach ... vermutlich machte er sich eben zum Dorftrottel, aber er würde es sich nicht verzeihen können, wenn er jener Eingebung nun nicht folgen würde ... er würde nie mehr schlafen können. "Yorda..." perlte es über seine Lippen, eine heisere, ungläubige Frage zu der Fremden hin. Bist du es wirklich? Doch viel mehr als jenes eine Wort und die ausgestreckte Linke sollte das Windkind wohl nicht erreichen.
Yorda: Bald schon würde sie einen Teil ihres alten Lebens wieder sehen, der in eine andere Welt hinein zu gehören scheint. So viel Zeit ist vergangen und doch nur ein paar Jahre, in denen so viel Stärke gewonnen war. Ihre Kräfte hatten zugenommen, auch wenn der Kampf mit dem Schwert verkümmert war. Es war nicht notwendig gewesen. Noctra war ihr Schild gewesen und ihre Magie das seine. Sie hatten Dörfer nieder gebrannt auf der Suche nach den Artefakten des Höllenfeuers, jenen Rüstungsteilen, die er einst verloren hatte. Und nun war sie hier. Und das noch nicht einmal um sie den Wächtern abzunehmen, sondern um des Puzzles Rätsel zu lösen, wären da nicht eilige Schritte und eine nah erklingende Stimme, die sie aus dem Vorhaben reißt mit gezielten Schritten den Schauplatz des täglichen Lebens zu verlassen. Bekannt war sie. Vertraut und doch glimmt ehrlicher Hass in den Seelenspiegeln als sie sich zu ihm hin wendet und das Eisherz erkennt. Wut mischt sich mit ihrem Blut und fließt bis in die kleinsten Adern hinein und lässt das Herz in einem unruhigen Rhytmus schnell pochen. "Say... wage es nicht mit noch einen Schritt näher zu kommen, du verdammter Bastard" sind die Worte, die sie dem treuen Wächter entgegen wirft im Glauben er wäre einer jener Menschen, die sie verraten und ausgenutzt haben, die die Macht des Höllenfeuers nur für sich alleine und ihre Ziele verwenden wollten und dafür die magische Rüstung brauchten. Oh, er hatte sie benutzt, so wie Lyn auch, Leandra, Adhira und all jene, die sie einst hatte als Freunde bezeichnen können. Ja, es lag auch Enttäuschung in dem Blick des Windkindes, doch unterlag jene dem Gefühl des Zorns und ja, sie würde ihn angreifen, wenn er es wagt ihr näher zu kommen, vielleicht auch töten.
Say Run: Freunde - so weit würde der Eisige nicht gehen, aber Yorda war seine Lehrmeisterin gewesen, vielleicht ein wenig mehr noch als nur Gildenführerin. Er hatte ehrlichen Respekt für sie empfunden, war ihr gefolgt, loyal und treu ergeben. Ihren Traum hatte er gelebt, als sein eigenes Leben nichts mehr zum Träumen übrig ließ, als er drohte in den kalten Sog der Trauer und des Hasses gezogen zu werden, weil ihm Zayi genommen worden war. Yorda hatte ihn an die Hand genommen, auf den Weg der Wächter geführt und dem Wolf wieder eine Aufgabe gegeben. Ganz hatte man die Weißhaarige nicht erreicht, doch den eisigen Hass in ihren Augen erkannte er auch so. Es raubte ihm die Luft und er blieb augenblicklich stehen. Nicht aufgrund ihrer Drohung, sondern der Tatsache geschuldet, dass sie es tatsächlich war, dass sie IHN erkannte und doch mit purem Hass hier stand. Heftig schüttelt er den Kopf, traut nun nicht einmal mehr seinen Ohren. Bastard? Er? Was zur Hölle hatte er getan, sie nicht unter dem verschütteten Tunnel gesucht, nicht ihre Leiche geborgen? Ja dies hatte er nicht getan, weil er den Anblick ihres zertrümmerten Leibes nicht ertragen hätte. "Was ist los?" zischte er eisig voller Unglauben. Da stand sie wahrhaftig vor ihm und doch war es nicht das Windkind. "Womit verdiene ich deinen Hass?" Auch wenn sie vielleicht die Vergangenheit, die Gilde und die Erinnerungen hasste, im Moment schlug ihm der Zorn und die Enttäuschung entgegen. Der treue Wächter konnte sich nicht erklären, was geschehen war - warum sie noch lebte und nun hier stand, mit lodernem Hass in den Augen und tiefer Enttäuschung in der Brust. Jeglicher Warnung zum Trotz machte er dennoch einen Schritt auf sie zu, vielleicht in dem Irrglauben, dass die geringere Distanz ihre Verwirrung mildern würde. Ja - das Windkind musste verwirrt sein, anders konnte er es sich nicht erklären.
Yorda: Was hatte er anderes erwartet? Sollte sie ihn mit freudigem Lächeln, mit weit ausgebreiteten Armen an sich drücken und ihr Wiedersehen feiern? Sollte sie tatsächlich alles vergessen was ihr angetan wurde? Der Verrat? Einfach alles? Nein, das war sie nicht. Sie wäre längst tod, wenn sie derartig naiv wäre und einfach dort weiter machen würde, wo sie einst unterbrochen worden war. Der Hass war in diesem Moment ein angenehmer Gefährte, weitaus angenehmer als die Gewissheit in den letzten Jahren, dass es niemals echte Freundschaft gewesen war, die man ihr entgegen brachte, sondern einzig die Tatsache, dass sie ein mächtiger Verbündeter und eine ebenso mächtige Schachfigur war, die man benutzen konnte wie man wollte. Und sie war so dumm gewesen es nicht zu bemerken. "Was los ist fragst du? Ihr habt mich verraten und für Eure korrupten Pläne benutzt und da fragst du, was los ist?" Ruhig war die Antwort, ein Schumunzeln lag auf den Lippen, das beinahe unschuldig wirken konnte, wäre nicht der finstere Glans in den Augen, der die Lippen Lüge straft. "Verschwinde und wage es nie wieder mir unter die Augen zu treten!" zuckersüße Worte, als sie darauf wartet, das er endlich die Beine in die Hand nimmt und verschwindet. Warum sie ihn nicht direkt tötete. Sie wusste es nicht. Es war eine innere Barriere, die sie überschritt, als er ihr näher kam. Schnell wie ein Orkan tat auch sie einen Schritt nach vorne, während sich gleichzeitig die rechte Hand hebt um sich um seine Kehle zu legen und sich fest darum zu schließen. Die Augen weiten sich eine Spur, als ihre Hand seine Haut berührt und für den Bruchteil eines Moments lässt sich Genuss darin ablesen, ja, die Erfüllung vielleicht zu der Rache zu kommen, die längst überfällig war.
Say Run hatte so ein Wiedersehen bestimmt nicht erwartet, denn der Eisige war noch immer kein Wesen von Gefühlen und großen Gesten. Doch DAS hier war definitiv ein Alptraum, eine seltsame Verwirrung, die er nicht entschlüsseln konnte. Wieso dieser Hass, wieso diese Worte von Verrat? Was um Himmels Willen war geschehen? Natürlich drängte sich die Frage auf, wie Yorda den Einsturz des Tunnels hatte überleben können, aber im Moment war wohl wichtiger zu erfahren, was ihr in den Kopf geplanzt worden war, dass sie ihn so sehr hasste. "Du bezichtigst den Falschen des Verrats!" warf er ihr entgegen und die sonst so beherrschende eisige Ruhe war von ihm gewichen. Verrat - ein böses Wort in den Ohren des treuen Wolfes, welches ihm schon einmal eine Familie zerstört hatte. Das konnte doch alles nicht war sein! Was hatte man ihr nur erzählt, dass sie derart besessen von diesem Gedanken, diesem Hass war? Sie war schon lange nicht mehr in der Position ihm Befehle zu erteilen und so blieb er, starrte sie fassungslos an und suchte nach einer Erklärung, warum das Windkind sich so verändert hatte. Viel Zeit für ruhiges Nachdenken blieb ihm nicht, denn schon krallten sich ihre Finger um seine Kehle und der Blonde war zu überrascht um darauf reagieren zu können. Was keuchte er, als er zunächst verzweifelt seine Hände um ihr Handgelenk schloss. "Du strafst den Falschen..." presste er hervor, geschockt, dass sich jene Szene hier eben abspielte. "Lass ... mich los verdammt!" Immer schwerer fiel es zu Sprechen ... "Ich hab um dich getrauert,...". Ja das hatte er, mehr gelitten als es wohl üblig gewesen wäre, stille Trauer um die verlorene Gildenführerin. Die Luft blieb ihm weg, er keuchte und aus der Panik geboren bildeten sich die Fingernägel zu krallen um, gruben sich in ihre Haut, wenn sie ihn nicht loslassen würde. "Yorda..." Wieso nur war dies so geschehen?
Yorda: Wie konnte sie den falschen bezichtigen? Sie hatte es beobachtet, wie sie ihren Verrat an ihr vollzogen. Schon Tage, ja Wochen vor dem Zusammenstoß mit Noctra, der eher unglücklich abgelaufen ist. Er hatte sie aus diesem Wahnsinn endlich befreien wollen, da sie zu lange an das Gute in dieser Gilde glauben wollte. Ja, sie hatte gehofft sie wieder auf den richtigen Weg führen zu können, zu einem gemeinsamen Ziel, so wie sie es einige Male vorher geschafft hatte, als sie eine sterbende Gilde wieder zu einer blühenden Gemeinschaft machte. Aber Hoffnungen waren Träume und ihre verpufften wie Seifenblasen, als sich noch nicht einmal jemand darum kümmerte, ob sie tatsächlich gestorben oder noch am Leben war. Sie hatten es hingenommen. Einfach so. "Ach ja? Warst du es nicht, der mich für seinen Aufstieg innerhalb der Wächter benutzt hast? Hast du ein einziges Mal nach mir gesucht?" Eine Cobra hätte diese Worte kaum mit mehr Gift versehen können und so genießt sie den Moment, da sie spürt, wie die Luft aus den Glidern des Wächters weicht, wie er unter ihrem Griff schwächer wird und nicht einen Moment länger in höflicher Manier an sich halten kann. Erst als Schmerzen ihren Knöchel heimsuchen, lässt der Druck um seinen Hals nach und die Augen richtet sich auf das schneeweiße Handgelenk an dem das Blut in winzigen Bahnen hinab sickert und nach einigen Wimpernschlägen auf den Boden hinab fällt. Ein Ruck geht durch den Arm, der ihn für den Moment näher an sie heran bringen soll. "Ich sage es dir ein letztes Mal. Ich bringe dich um, wenn du mir noch einmal so nahe kommst" Nahe an seinem eigenen Gesicht werden sie gesprochen, diese Silben, bevor sie ihn von sich stößt. Warum hatte sie ihn nicht doch getötet? Warum einfach so davon kommen lassen? Eine gute Frage, auf die sie sich selbst vorerst keine Antwort geben kann.
Say Run: Sie bezichtigte den Falschen und sie machte einen großen Fehler. Doch Say Run hatte noch nie das diplomatische Feingefühl besessen um in so einer Situation zu verhandeln, wäre es wohl ein endloses Unterfangen sie überzeugen zu wollen. Aber er konnte sie doch auch nicht in diesem Wahn walten lassen! Mit jedem gequälten Atemzug wich die Kraft mehr aus seinem Leib und in einem seltsamen Moment bewunderte er ihre Stärke und Entschlossenheit - er war auch einmal so gewesen, bevor ihn Indis hatte weich werden lassen, bevor er seinen Weg aufgegeben hatte und sich zurück zog. Natürlich hatte an nicht nach ihrer Leiche gesucht - sie war unter einem riesen Haufen von Steinen begraben worden - wo hätte man da suchen sollen? Natürlich musste man davon ausgehen, dass sie tot sei, sich geopferte hatte damit die verletzten Wächter sich vom Platz schleichen konnten. "Ich habe dich nicht benutzt..." keuchte er mit bitterer Enttäuschung hervor. Was für ein grausames Bild hatte sich in ihrem Kopf festgesetzt? Natürlich hatte er es mittlerweile in die Führungsebene der Wächter geschafft, doch dies hatte er sich hart erarbeitet. Yorda hatte ihm gewiss auf diesem Weg geholfen, ihn gelehrt und geführt, aber er hatte sie nicht benutzt. Auf den zweiten Vorwurf erwiderte er nicht, denn es stimmte - der Blonde hatte nie nach ihr gesucht, hatte die offizielle Meldung hingenommen und sich in seine Trauer verkrochen. Endlich lässt der Druck um seine Kehle nach, zuerst hatte er nicht einmal bemerkt, dass sich die Nägel zu Krallen gewandelt hatten und das Tier ums Überleben kämpfte. Die Hände an die Kehle pressend stolpert der Blonde nach hinten, als ihn das Windkind aus ihrer Umklammerung entlässt. Nun waren seine sandigen Augen von Zorn und Enttäuschung erfüllt ... Er forderte sie nicht zu einem Kampf, wollte hier in der Stadt nicht kämpfen, nicht einmal seine Position als Wache nutzen. Say Run fühlte sich noch immer als loyaler Gefolgsmann der Winddämonin, auch wenn jene Zeiten seit langem und unwiederbringlich verloren gegangen schienen. "Du hast dich zu weit von uns entfernt... jene Distanz vermag ich nicht zu überwinden." Es half nichts, er musste wohl einsehen, dass die einstige Gildenführerin den Verstand verloren und von einer krankhaften Vorstellung besessen war. Sie war nicht mehr das Windkind, welches er gekannt hatte, dem er gefolgt war und zu dem er aufgeblickt hatte. "Wenn du das Alte nicht misst dann soll es so sein..." dann lebe weiter in der Illusion die dir die Wahrheit erscheint. Bitter kamen die Worte über die Lippen, noch immer fühlte sich der Hals rau an, das Sprechen fiel schwer. Vielleicht sollte er Lyn berichten, dass Yorda wieder in der Stadt weilte ... ein im Moment wie es schien unglücklicher Umstand.
Yorda: "Ihr habt mich alle benutzt. Lyn, Leandra, Adhira, du... alle. Er hat mir schon vor so langer Zeit die Augen geöffnet und ich wollte es nicht wahr haben. Der Feind der Höllenwächter waren immer sie selbst, denn ihr wolltet nur die Macht des Höllenfeuers. Ihr habt nie begriffen, für was wir eigentlich gekämpft haben, ihr habt nur euren Profit gesehen" es platzte aus ihr hervor, denn selbst wenn sie es nicht wahr haben wollte hatte sie diese Menschen geliebt und sie als Familie akzeptiert, als sie keine eigene mehr hatte, denn zu einer Familie gehörte auch immer ein Mann und jene hatte sie nie halten können. Zwei Kinder, drei Männer, eine klägeliche Ausbeute, von der die Frau, die hier stand nichts mehr wusste. In ihrem Leben hatte es nie Kinder gegeben und nur jenen einen hünenhaften Mann, der ihr nach einer langen Zeit des Irrweges endlich die Augen geöffnet hatte. Ein Schnauben perlt über die Lippen, unwillkürlich und aus tiefster Seele "Möchtest du wissen, warum du diese Distanz nicht überwinden kannst. Soll ich es dir sagen? Weil du nicht die Kraft hast für etwas zu kämpfen, was du willst. Entweder bist du ein Lügner, wenn du behauptest, mich nicht benutzt zu haben, oder du bist so dumm um auf diejenigen herein zu fallen, die es getan haben." Die Worte verhallen und für einen Moment schaut sie ihn einfach nur aus schiefgeneigtem Kopf an, ehe der Blick von seinem Gesicht hinab wandert bis zu seinen Füßen und wieder zurück. Spott liegt in ihren Augen. "Nicht ich bin es, die in einer Illusion lebt." Sie glaubte tatsächlich an das, aws sie sprach. Es waren immerhin ihre eigenen Worte, nur war die Erinnerung eine falsche. Verändert durch eben jenem Mann, der in den letzten Jahren ihr einziger Freund gewesen zu sein scheint und eigentlich ihr Feind hätte bleiben sollen. "Leb wohl, Wächter. Vielleicht kommt eines Tages die Zeit, da das Feuer sich weniger falsche Krieger sucht und ich hoffe es wird seine Wahl besser treffen" und da war sie selbst mit eingeschlossen. Denn sie hatte diese Verräter selbst um sich geschart in der Hoffnung gutes zu bewirken. Nun jedoch war die Unterhaltung für sie beendet. Mehr wollte sie nicht mehr hören, nicht mehr sehen. Und so wendet sie sich ab und geht den Weg weiter, den sie zuvor begonnen hatte.
Say Run: Nadelstiche waren ihre Worte und nach all den Jahren der kalten Abgeschiedenheit spürte er zum ersten Mal wieder sein Herz, seine Seele, spürte das Leid, welches er unter dem inneren Eis verschlossen hatte. "Sprich nicht von "ihr", wenn du selbst eine Wächterin gewesen bist. Du hast uns geführt, du hast uns den Weg gewiesen den du nun als falsch beschimpfst. Wenn dann hast du den Verrat herbei geführt!" Hörte sie sich eigentlich selbst zu? Das Windkind war die Gildenführerin gewesen, sie hatte bestimmt, die Geschicke gelenkt, die Wächter um sich gescharrt und den Weg des Feuers beschritten, wie kann sie es nun wagen die Anderen als Verräter und Feinde zu bezeichnen? "Wir haben dich gesehen, als eine starke Führerin und eine Frau, der man folgen wollte." Erneut war es kaum mehr als ein bitteres Flüstern, der Blonde fühlte sich kraftlos und müde ... es war leichter gegen ein Rudel wilder Wölfe zu kämpfen als den Versuch zu starten dem Windkind die Augen zu öffnen. Aber ihre groben Anschuldigungen waren wie Schnitte an seinem Leib. "Wag es nicht zu glauben, dass Du dir ein Urteil über mich erlauben kannst ... du kennst mich nicht und ich habe jahrelang an eine falsche Yorda geglaubt." Wenn das da vor ihm nun die wahre Yorda war, dann würde er die herbe Ebttäuschung nun herunter schlucken und damit fertig werden. Er könnte mit der Überzeugungskraft ganz Atrahors gegen sie ankämpfen, er würde nicht zu ihr durchdringen. Irgendetwas oder jemand hatte ihren  vergewaltigt und für die Realität verklärt. Gut, dann war die Unterhaltung also hier beendet. Einmal mehr wohl starb das Windkind - doch dieses Mal musste der Wolf nicht zusehen, wie sie unter Bergen von Stein begraben wurde, diesmal sah er nur der toten Hülle zu, wie sie sich langsam entfernte .... "Wieso bist du dann zurück gekommen?" Die Frage kroch dann doch noch über seine Lippen, leis ... so dass sie sie vielleicht nicht mehr hörte ...
Yorda: Leise ist das Lachen "Ihr seid nie meinem Weg gefolgt. Ihr habt nur das gemacht, was ihr hinter meinem Rücken geplant habt" Auch ihr hatte diese Erkenntnis einst weh getan. Sie hatte gelitten, geglaubt alles falsch gemacht zu haben, bis endlich die Erkenntniss gekommen war, dass sie es nun besser machen konnte, in dem sie Noctra half. Bis jetzt. Bis jetzt, wo sie endlich herausfinden wollte, was mit dem Gefühl in ihr nicht stimmte. Warum es sie trotz allem zurück nach Atrahor zog und nicht etwa an Noctra band, der weiß Gott der bessere Mensch war, wenn man die Gildenmitglieder der Wächter mit ihm vergleicht. Auf seine anderen Worte sprach sie nichts mehr. Es waren Lügen, die ihr Herz einlulllen und es schwach machen sollten. Es täte ihrer Seele gut, jene Worte, wäre sie nicht von dem irrglauben geleitet, der sie zu diesen Worten hatte antreiben können und längst vom Wind verweht wurden. Die Schritte führten weg von ihm als die letzten Worte nur zart an ihrem Trommelfell zupften. Kurz kommen die Schritte ins Stocken um dann doch wieder weiter geführt zu werden. Warum sie gekommen ist, wusste sie nicht und einem Höllenwächter würde sie es schon gar nicht erzählen. Sie hatte niemanden in diesem Dorf, dieser Stadt, der es Wert war ihr Vertrauen zu schenken. Sie hatte sich. Und damit musste sie zufrieden sein. Mehr brauchte sie nicht. Sie war alleine stark, denn das Herz wurde schon lange zum Schweigen gebracht.
Say Run: Arme Yorda - natürlich war sie als zartes Wesen in eine finstere Verschwörung geraten, in einen perfiden Plan, den sich alle anderen Wächter ausgedacht hatten um sie zu benutzen. Als Teil des Planes sollte das Windkind die Gilde leiten, Macht bekommen und ... ja was zur Hölle soll das denn bitte für ein Plan sein? Es war keine Erkenntis, die ihn schmerzte, sondern der Anblick eines Wesens, um das erst einst getrauert hat und welches nun getrieben von Hass und Irrglauben jede helfende Hand giftig von sich schlug. Ein Weilchen wohl blickte er dem entschwindenen Leib zu,sah zu, wie sich die tote Hülle mit dem schweigenden Herz entfernte ... erneut aus seinem Leben schlich und das eisige Gefühl der Leere zurück ließ. Doch auch Say hatte gelernt sein Herz auszutricksen, hatte es unter einem dicken Panzer aus innerem Eis gehüllt und erfrieren lassen. An die normale Arbeit war nicht mehr zu denken und so wurden die Schritte nicht wie vor gehabt zum Rathaus gelenkt, sondern auf direktem Wege wieder zurück in die heiligen Hallen ... hoffentlich würde er Lyn antreffen!
 
4.7.10 13:22
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



» Design » Picture

Gratis bloggen bei
myblog.de