Nature

Sei still mein Herz. Wir dürfen nie Schwach sein. Wir sollten unseren Gefühlen nicht unterliegen und uns von ihnen leiten lassen. Wir dürfen es nicht. Du und ich, wir müssen stark sein. Für diejenigen, die von uns abhängig sind, uns vertrauen und daran glauben, das wir sie leiten können, müssen wir Stark sein. Schweig still. Verbanne die Sehnsucht, die dich in meiner Brust schwer werden lässt. Hör auf, dich nach einer Liebe zu verzehren, die längst vorüber ist, verloren im Rad der unendlichen Gezeiten. Was bringt es dir, dich danach zu sehnen, sich jemandem anzuvertrauen? Was bringt es dir, dich wieder jemandem öffnen zu wollen? Nein, ich lasse nicht mehr zu, das man dir weh tut. Du und ich, wir können gemeinsam stark sein, doch kann ich es einzig mit dir. Komm zurück zu mir und lass die dunklen Wolken, die dich umgeben, hinter dir. Spürst du nicht, dass sie dich in den Wahnsinn treiben wollen? Oh mein Herz, was kämpfst du um jeden einzelnen Schlag in meiner Brust, auch wenn es dich danach verlangt aus ihr hervor zu springen und mit dem Wind den Rest deiner unendlichen Tage zu fristen.

Wie schön wäre es, wieder gemeinsam mit dem Wind über Berge und Täler zu fliegen. Doch mein armes Herz, wir dürfen nicht. Schimpfe nicht mit mir. Schlag weiter und verdränge den Schmerz. Wir sind stark. Komm zurück zu mir. Kein weiterer Splitter soll mehr von dir genommen werden, denn du bist so verdörrt, wie das trockene Gras im Sommer. Ausgedörrt, ausgezerrt, von der Liebe, die du so bereit wars zu geben. Verraten hat sie dich. Beinahe zerstört hat sie dich. Komm her mein Herz und schweige still.

 

Geschichten sind da um erzählt zu werden, aber dies hier ist weder eine Geschichte noch ein Märchen, sondern die Chroniken einer Frau, geschaffen vom Wind. Fleischgewordener Wind. Ein menschenähnliches Wesen, das letztendlich doch mehr einem Dämon gleicht, wenn man die Unsterblichkeit und die Fähigkeiten der Magie ins Auge fasst. Ein Elementarwesen. Aber auch jene sind fähig zu Gefühlen, wie jedes andere Wesen, wenngleich sie inniger und bedingungsloser ihr Herz zu verschenken vermögen, wie sonst hätte diese hier, Yorda genannt, ihr Herz so oft in fremde Hände gelegt um es mit jedem Mal weiter zu schädigen. Aber nein, das Leben an sich war kein Drama, nur nahm es nach und nach immer mehr die Form eines solchen an.  

Die erste Liebe war eine großartige Liebe, die keinerlei Bedingungen mit sich brachte. Sie war da vom ersten Augenblick an und schon bald trug diese Liebe erste Früchte, endete in einer Hochzeit, einer gemeinsamen Tochter und den Scherben einer versuchten Ehe. Als Tochter des Windes, einem Gefährten, der das stürmische und oftmals impulsive Gemüt antrieb, war Yorda einer Gilde beigetreten und hatte sich den ehrenvollen Stadtwachen angeschlossen, während ihr Mann ebenfalls als Krieger und Hüter der Stadt einer Gemeinschaft von Rittern beitrat. Aber die Zeit trieb jene beiden Herzen außeinander und wenngleich sich das Windkind trost bei einem anderen Mann suchte, so brach es ihr das Herz, die geliebte Tochter zu verlieren, die ihr Vater mit sich nahm. Vier Jahre. Vier lange Jahre, in denen sie die ersten Sprünge im Herzen mit einer weiteren Liebe versuchte zu verdrängen. Gleichzeitig war es aber auch er, die jene tief klaffen ließ, als er von einer Geschäftsreise nicht mehr zu ihr zurück kam. 

Sie war alleine. Das Herz gefror und zum ersten Mal verspürte die Tochter des Windes das Bedürfnis den Menschen weh zu tun, die ihr nahmen, was sie ins Herz schloss. Oh, das Herz hatte geschmerzt, geblutet und doch war das Blut nur minimal gestillt wurden, als ihr einstiger Ehemann eines Tages vor ihrer Tür stand um ihr die geliebte Tochter zu übergeben und gleichzeitig fühlte es sich so unendlich eingeengt, fast schon erdrückt, als er sich auf immer von ihr verabschiedete. Fortan war die Arbeit eine Flucht, die Tochter wurde bei Lehrern und Kindermädchen gelassen oder aber mit in die Gilde genommen. Zurecht konnte man Yorda als Rabenmutter bezeichnen bis ihr Herz sich dazu beschloss noch einmal eine Bindung einzugehen. Zart waren die Fäden zu dem Erddämon. Rissig, kaum fest genug, denn Yorda wehrte sich gegen die Gefühle. Sie wollte nicht mehr lieben. Doch Gefühle lassen sich nie auf Dauer verstecken. Irgendwann brechen sie hervor und so war es nun ein drittes Mal. Gefühle wurden geteilt, gelebt, so lange, das irgendwann noch einmal der Bund der Ehe und ein Kind hervor gebracht wurde. Ja, das Leben nahm neue Bahnen an, denn der zwischenzeitlich angetretene Dienst in der Bürgerwehr wurde beendet und die Stadtwache verlassen. Sie war bereit dazu für die Familie da zu sein und jene Gilde, die sie in der schweren Zeit als Familie betrachtet hatte. Aber das Schicksal ist ein garstiger Gefährte. Der Krieg zerschmetterte beinahe das Herz und nahm ihr auch jenen dritten Mann. 

 

Wieder war die Flucht in die Gilde ihre Rettung. Die Suche nach den Relikten Noctras, die jener einst mit dem Feuer der Hölle versah. Die Suche war gefährlich, denn auch der als lange verstorbene Noctra betrat die Bildfläche und war ebenfalls auf der Suche nach seinen Relikten. So kam es in einem Kampf zu einem direkten Schlagabtausch, in dem sich das Windkind für die Gildenmitglieder opferte um ihnen den Weg aus einer Höhle zu ebnen und selbst zurückzubleiben. Der Tod jedoch wäre ein freundliches Schicksal gewesen, denn Noctra fand an der Frau gefallen, manipulierte ihr Gedächnis und nahm jede einzelne Erinnerung außeinander, verflocht sie neu, so das nun, wo sich das Windkind endlich von ihm entfernen und flüchten konnte, vor einem ungelösten Puzzle steht, dessen Teile nicht passen wollen. Schweige still Herz, und lausche nach der Wahrheit.

 

 

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